Atomkraftwerk Störfall Slowenien
Juni 4, 2008
Schwerer Störfall in AKW ( Atomkraftwerk ) in Slowenien
Europaweiter Atom-Alarm ausgelöst
Nach einem schweren Zwischenfall im Kühlsystem des slowenischen Atomkraftwerks Krsko hat die EU-Kommission europaweiten Alarm ausgelöst. Im Hauptkühlsystem des Atomkraftwerks im Südwesten des Landes sei Kühlflüssigkeit ausgetreten, erklärte die EU-Kommission am Abend. Das Kühlmittel sei aus dem Primärkreislauf entwichen, sagte der ARD-Korrespondent in Brüssel, Rolf-Dieter Krause.
zum Störfall im Akw (Autokraftwerk)
Die EU-Kommission habe mitgeteilt, dass keine Gefahr für Bürger in irgendeinem europäischen Land bestehe, sagte Krause. Die Nachricht habe die Kommission, die in solchen Fällen zuständig sei, gegen 17.30 Uhr erreicht.
Laut Brüssel besteht angeblich keine Gefahr für Menschen
Das Atomkraftwerk werde in einen sicheren abgeschalteten Zustand gebracht, hieß es in der Erklärung weiter. Das müsse geschehen, um herauszufinden, was die Ursache für das Problem sei, sagte der Sprecherin des slowenischen Umweltministers. Wie lange das dauere, sei unklar. Das Kraftwerk arbeite derzeit noch auf 22 Prozent seiner Kapazität, erklärte der EU-Kommission. Auswirkungen auf die Umwelt seien derzeit noch nicht bekannt.
Auch die slowenische Atombehörde teilte mit, dass keine Umweltschäden zu erwarten seien. Die Umweltorganisation Greenpeace stufte eine europaweite Warnung auf Anfrage der Agentur AFP als “sehr ungewöhnlich” ein.
Infos zum Atomkraftwerk Krsko:
Das Kernkraftwerk Krško (slowenisch: Jedrska elektrarna Krško (JEK)) ist das einzige Kernkraftwerk auf dem Territorium Sloweniens. Der Standort Krško (dt. Gurkfeld) liegt etwa 20 km von der kroatischen Grenze entfernt.
Der Reaktor wurde in den 1970er-Jahren gemeinsam mit Kroatien als 50:50-Projekt der beiden ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken errichtet und 1981 in Betrieb genommen. Es handelt sich um einen Druckwasserreaktor der amerikanischen Firma Westinghouse mit einer elektrischen Bruttoleistung von 730 MW, der von der Gesellschaft Nuklearna Elektrarna Krško (NEK) betrieben wird.
Das Kernkraftwerk Krško war das einzige Kernkraftwerk Jugoslawiens (daneben existierten lediglich Forschungsreaktoren); Ende der 1980er Jahre wurden hier 20% des Strombedarfs der SR Slowenien und 18% des Strombedarfs der SR Kroatien produziert. Am Gesamtstromverbrauch Jugoslawiens machte das einen Anteil von 5% aus.
Es lieferte im Jahr 2003 rechnerisch einen Anteil von 40 % zur Stromerzeugung Sloweniens.
Risikoeinstufung von Krško:
Das Kernkraftwerk ist bei den Kernkraftgegnern umstritten, da es angeblich in einem erdbebengefährdeten Gebiet steht. Nach dem PHARE-Abschlussbericht über die geophysikalische Untersuchung des Gebiets von Krško sind jedoch im “Standort des Kernkraftwerks keine größeren seismogenen Risikofaktoren festzustellen”[1]. Auch nach der IAEO entspricht die Sicherheit des Kernkraftwerks allen internationalen Standards und höchsten Sicherheitsforderungen.[2]
Einen Kritikpunkt sieht die Wiener Umweltanwaltschaft im Anlagendesign: “Zahlreiche Druckwasserreaktoren besitzen vier oder sechs unabhängige Primärkühlmittelschleifen. So zum Beispiel die Kraftwerke vom Typ WWER-440. Im KKW Krsko sind nur zwei Primärschleifen ausgeführt. Obwohl der Reaktor von seiner Leistung nur zu den mittelgroßen gehört, würde eine höhere Anzahl von Schleifen die Anlagensicherheit in Bezug auf Leckagen und LOCAs (Loss Of Coolant Accidents - Unfälle mit Kühlmittelverlust) erhöhen. Weitere Kühlmittelschleifen, die dem Reaktor Wasser zuführen könnten, wären vorhanden.” Weiterhin wird durch die Umweltanwartschaft kritisiert: “Die Anlage befindet sich in einem Erdbebengebiet. In der näheren Umgebung der Anlage verlaufen geologische Bruchlinien. Diesbezügliche Untersuchungen wurden vom Department für Zivilingenieurwesen, speziell dem Institut für Struktur- und Erdbebentechnik der Universität Ljubljana, koordiniert. Manche Expert/innen - etwa vom Wiener Institut für Risikoforschung - gehen davon aus, dass auch nach der erfolgten Nachrüstung in den 90er Jahren die Erdbebensicherheit der Anlage weiterhin untersucht werden sollte. In einem Beitrag des slowenischen Fernsehens berichtete ein Seismologe, dass Erdbebenlinien auf den Karten der Einreichpläne zum Bau des KKW Krsko bewusst entfernt wurden.” [3]
Das Gebiet um Krsko gehört zu den seismisch ungünstigsten Standorten, die es für ein AKW in Slowenien gibt. Im Kreuzungsbereich mehrerer tektonischer Platten gelegen, werden in einem Zeitraum von 1000 Jahren Beben mit einer Maximalintensität von MSK = 9 erwartet. Dies kann zu Bodenbeschleunigungen von bis zu 0,4 g führen. Laut eines Forschungsprogramms der UNESCO können in einem Zeitraum von 200 Jahren in Krsko Beben mit einer Beschleunigung von 0,31 g auftreten. Das ist der höchste Wert für ganz Slowenien. Das Atomkraftwerk ist offiziell für eine sichere Notabschaltung nur bis 0,3 g ausgelegt. Der “Sicherheits”bericht, der diese und andere Auslegungsmerkmale festlegte, ignorierte das stärkste historische Beben in der Region.
Bei der Planung des AKWs Krsko wurde die Magnitude 5,8 als höchstmögliche Erdbebenstärke angesehen, wobei Magnituden > 6,0 auf Basis mehrerer unabhängigeer Studien nicht auszuschließen sind. Nach US-Richtlinien darf es rund um ein AKW in einem Radius von fünf Meilen keine aktiven Störungen geben. Das Gebiet um Krsko gehört zu den seismisch ungünstigsten Standorten, die es für ein AKW in Slowenien gibt. Im Kreuzungsbereich mehrerer tektonischer Platten gelegen, werden in einem Zeitraum von 1000 Jahren Beben mit einer Maximalintensität von MSK = 9 erwartet.
Infos zu Slowenien:
Trotz seiner für einen europäischen Staat geringen Größe verfügt Slowenien über sehr verschiedenartige Landschaftsformen. Im Nordwesten verlaufen die Hochgebirgszüge der Julischen Alpen, Karawanken und Steiner Alpen, die geologisch zu den südlichen Kalkalpen gehören. Im Nationalpark Triglav liegt mit dem namensgebenden Gipfel des Triglav (2.864 m) die höchste Erhebung des Landes, die auch symbolisch auf dem Landeswappen dargestellt ist.
Von den vier wichtigsten Flüssen Sloweniens entspringen zwei in den Julischen Alpen – die SoÄa (ital. Unterlauf Isonzo) und die Save (slow. Sava). Die zwei größten Flüsse kommen hingegen von Österreich, nämlich die Drau (slowenisch. Drava) und die Mur (slowenisch Mura). Während die SoÄa zur Adria entwässert, fließen die Save, die Drau und ihr Nebenfluss Mur nach Osten zur Donau (Mündung in Kroatien bzw. Serbien).
Über die Hälfte der Staatsfläche ist von Wäldern bedeckt.
Der Nordosten des Landes ist von Mittelgebirgen und Hügelland geprägt: Bachergebirge (slowen. Pohorje, bis 1500 m, Ausläufer der Zentralalpen), Matzelgebirge (Haloze, bis 880 m) und Windische Bühel (350 m), die nordöstlich der Mur in die Ebene und Hügeln des südsteirischen Übermur-Gebietes (slowen. Prekmurje) übergehen, während im Mündungsgebiet Drau-Mur die 50 x 20 km große so genannte Murinsel (MeÄimurje) bereits großteils auf kroatischem Staatsgebiet liegt. Beide Flachlandschaften gehen jenseits der ungarischen Grenze in die Pannonische Tiefebene über. Die Landesmitte und den Süden (Teil der Halbinsel Istrien) nehmen ausgedehnte, typische Karst-Flächen ein. Im äußersten Südwesten des Landes liegt die nur 46,6 km lange Adria-Küste (Slowenische Riviera), die den tiefsten Punkt des Landes markiert. Seit der Loslösung vom ehemaligen Jugoslawien wird mit Kroatien über einen für den Schiffsverkehr geeigneten Meereskorridor verhandelt.
Im Südwesten des Landes herrscht mediterranes Klima mit heissen Sommern und milden, feuchten Wintern. Der Winter und das Frühjahr bringen an der Küste häufig kalte Fallwinde, die gefürchtete Bora mit Schnee in Höhenlagen. Im Landesinneren ist das Klima kontinentaler geprägt, der Nordwesten von typischem Südalpenklima (Südföhn, Winterregen, vergleichsweise wenig Schnee).
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